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Waren Sie schon einmal in der Grabenmühle am Guntenbach bei Sigriswil? Mehl wird dort zwar schon lange nicht mehr gemahlen. Aber dafür gibts Forellen, es wird Gold gewaschen – und Strom produziert!

«Die Forellenzucht ist unser wichtigstes Standbein», erläutert Andreas von Gunten den klassischen Familienbetrieb. Es gibt Saiblinge, Lachs-, Bach- und Regenbogenforellen. «Wir verkaufen die Fische an Restaurants in der Region, auf dem Markt in Thun, Konolfingen und Interlaken, aber auch hier vor Ort. Zudem können unsere Besucher selbst fischen gehen und den Fang gleich grillieren.» Zu diesem Zweck stehen mehrere Grillstellen zur Verfügung; ein Angebot, welches insbesondere für Firmenausflüge sehr beliebt sei. In geräucherter Form kann man den lokalen Fisch aber auch in von Guntens kleinem Beizli «Funky Fish» geniessen.

Wenn das Gold ruft
Die Fischfang-Geschichte wird oft kombiniert mit der zweiten grossen Attraktion der Grabenmühle: dem Goldwaschen. Für vergleichsweise wenig Geld – es gibt Familien- und Gruppentarife – löst der angehende Goldsucher eine Lizenz und wird mit allem ausgerüstet, was es braucht: Goldwaschpfanne, Kessel und weitere Gerätschaften. Dann kann er sich an der idyllisch angelegten Goldmine unter von Guntens kundiger Anleitung ans Werk machen. «Wir sorgen natürlich dafür, dass jeder ein paar Goldflitter findet», verrät von Gunten augenzwinkernd.

Alles nur Theater?


Dann gibt es gar kein Gold am Guntenbach? «Doch, doch», entgegnet er. «Laut dem Standardwerk von Peter Pfander und Victor Jans, «Gold in der Schweiz», gibts hier tatsächlich Gold. Es ist sogar so, dass alle Bäche, die am rechten Thunerseeufer über die Nagelfluh-Formation fliessen, Gold führen. Aber die Mengen sind nicht gross genug, um reich zu werden. Dass hier einer ein Nugget findet, ist extrem unwahrscheinlich. Unsere Kunden suchen das Gold übrigens in extra erstellten Waschrinnen; der Bach selbst wäre zu gefährlich.»

Familienbande


Andreas von Gunten ist am Guntenbach aufgewachsen. Sein Vater hat das Gut samt Weiher 1954 in traurigem Zustand übernommen. Als letztes hatte sich dort das Sigriswiler Bad befunden, aber es war bereits 1937 bei einem Unwetter zerstört worden. Nach der Übernahme war das Gut ein kleiner Bauernbetrieb. Die eigentliche Geschichte der Grabenmühle beginnt dann 1982. Da hat man das Haus renoviert und damit begonnen, das Angebot auszubauen. So wurde die Forellenzucht um mehrere Becken erweitert. Es gibt heute drei grosse Becken, inklusive Mühleweiher, sowie mehrere kleine Rundbecken. «Die Fische müssen sich bewegen, das ist gut so», sagt von Gunten, «dann sind sie fit.»

Rothirsche und Alpakas


Zu den beiden Hauptattraktionen kommt ein kleiner Naturpark. «Kein offizieller», sagt von Gunten, «die Bauern der Region haben sich dagegen gewehrt.» Immerhin tummeln sich aber heute in zwei Gehegen Rothirsche, Damwild, Mufflons, Alpakas und verschiedene Kleintiere. Die Alpakas und die Hirsche sind sogar eine eigene Zucht und ihr Fleisch kann in der Grabenmühle gekauft werden, zum Beispiel als Alpaka- oder Hirschwurst.

Zur Grabenmühle gehören ausserdem verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Es gibt ein Blockhaus und ein Tipi, dazu einen Kinderspielplatz und einen Aussichtsturm.

Nervenkitzel in Sicht


Das alles ist sehr beliebt und wird fleissig besucht. Die 2012 neu eröffnete Hängebrücke über die Schlucht bringe zusätzliches Publikum, berichtet von Gunten. Sie ist Teil des Schluchtwanderwegs von Sigriswil nach Aeschlen. Mit einer Länge von 350 Meter bietet sie 180 Meter über den Guntenbach einiges an Nervenkitzel – und spektakuläre Aussichten auf den Thunersee.

«Vor allem an schönen Herbsttagen ist der Ansturm auf die Grabenmühle enorm», berichtet von Gunten. Der Ausbau hat sich auch in anderer Hinsicht gelohnt: 2007 ist die Grabenmühle mit dem Innovationspreis Berglandwirtschaft der Volkswirtschaftskammer Berner Oberland ausgezeichnet worden.

Ökostrom


Wer nun denkt, ein solcher Betrieb müsse mit hohen Stromrechnungen leben, der irrt sich. Denn beim Umbau hat die alte Mühle auch wieder ein Rad erhalten. Es hat einen Durchmesser von 260 cm und produziert Ökostrom! «Die Kühlgeräte sind natürlich schon Stromfresser, aber ich kann bis zu 1.3 kWh ins BKW Netz einspeisen und das wird mir dann natürlich von meiner Rechnung abgezogen», sagt Andreas von Gunten. Unterstützt wird das Mühlenrad von einer Wärmepumpe, mit der dem Guntenbachwasser Wärme entzogen wird. «Und vielleicht werde ich das Gefälle in Zukunft auch noch mit einem kleinen Wirbelkraftwerk nutzen.»

Ohne Businessplan


Seit nunmehr 20 Jahren kann die Familie von der Grabenmühle leben – und sie ist ein echter Familienbetrieb: Neben von Gunten selbst arbeitet seine Frau Brigitte im Betrieb, ebenso Tochter Rebekka und ihr Freund. Auch die zweite Tochter Simone hilft bisweilen aus. Zudem gibt es einen Angestellten; seine Aufgabe ist in erster Linie das Filetieren der Forellen.

Der Ausbau des Betriebs sei stetig gewesen, erzählt von Gunten, er habe keinen Businessplan gehabt, sondern die ersten 10 Jahre einfach immer wieder investiert. «Aber es braucht halt schon viel Energie, sowas zu machen», sagt er.

Und wo tankt er selber auf? «Hier!», sagt er sofort. «Ich beziehe meine Energie vom Wasser, von der Quelle, von der wunderschönen Schlucht; aber auch von der guten Luft, den Blumen. Es ist Natur pur, ein Paradies – und mein ganz persönlicher Kraftort.»

Mehr erfahren Sie unter www.grabenmuehle.ch

BKW Magazin

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