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Frauen und Technik. Die Herablassung, die darin mitschwingt, ist förmlich zu greifen. Aber lassen wir es gut sein. Das Klischee taugt nichts. Daran festzuhalten, bringt uns keinen Schritt weiter.

Schauen wir uns lieber die Gründe an, warum es mehr Frauen in der Technik braucht:

  • Forschungsgruppen mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis erreichen Projektziele schneller und günstiger.

 

  • Es gibt mehr Innovationen, da Frauen zusätzliche Aspekte und Ziele einbringen.

 

  • Das Verhältnis von Risikobereitschaft/ Experimentierfreude und Bewahrendem ist ausgeglichener.

 

Das sind alles Ergebnisse von Forschungsinstitutionen.

«Frauen und Technik» ist ein Album der Rapperin Pyranja. Sie ist heute 37 Jahre alt und sie sagt über ihr Leben: «Wenn man es von aussen betrachtet, ist das schon wahnsinnig, wie oft ich mich wieder aufrappeln musste. Aber es ist eben so in mir drin, da geht es um Leidenschaft, die gibt man nicht so schnell wieder auf.»

Leidenschaft. Das ist es, was Frauen brauchen, wenn sie einen technischen Beruf erlernen wollen. Aber eben nicht nur. «Frauen müssen lernen, dass sie besser sind, als sie denken», sagt René Mägli, Gründer und CEO des Logistikunternehmens MSC Basel. Er muss es wissen, weil in seinem Unternehmen von 135 Personen gerade einmal fünf Männer sind. Er hat eine interessante Erfahrung gemacht: «Mitarbeiterinnen, die ich für Positionen vorgeschlagen habe, waren häufig überrascht und trauten sich das oft nicht zu.» Trotzdem habe schliesslich jede ihr Ziel erreicht.

Auch mit dem Klischee, Frauen seien schlechter in Mathematik, gilt es nun end- gültig aufzuräumen. Eine Studie aus dem Jahr 2010 mit 500000 Personen aus 69 Län- dern zeigte, dass Frauen genauso gut bei Mathe-Tests abschneiden wie Männer. Aller- dings nur, wenn man ihnen vorher sagte, dass es bei den Resultaten von Mathe- Tests keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern gäbe. Erzählte man ihnen vor dem Test genau das Gegenteil, schnit- ten Frauen tatsächlich deutlich schlechter ab. Vieles spielt sich also nur im Kopf ab.

Die Schweiz als Schlusslicht im europäischen Vergleich

Wesentlich sind offenbar auch die Umgebungsbedingungen. Eine Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2013 (mit Daten aus 2012) untersuchte den Anteil von Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen in Europa in Relation zu ihren männlichen Kollegen. Um mit dem Schlusslicht anzufangen: In der Schweiz kommt eine Naturwissenschaftlerin / Ingenieurin auf fünf Männer mit gleicher Qualifikation. Bei unserem nördlichen Nachbarn ist es nur geringfügig besser: eine Frau auf 3.3 Naturwissenschaftler oder Ingenieure.

An der Spitze steht Polen: Hier sind es 1.15 Frauen pro männlichen Kollegen. Dann folgen Island (1 Naturwissenschaftlerin/Ingenieurin pro gleich qualifizierten Mann). Irland (1/1.02), Belgien (1/1.04), Portugal (1/1.09), Litauen (1/1.14), Spanien (1/1.19).

Polen
Island
Irland
Belgien
Portugal
Litauen
Spanien

Die Türkei liegt mit einer Naturwissenschaftlerin/Ingenieurin pro 2.2 gleich qualifizierte männliche Kollegen im Mittelfeld in der Nähe von Dänemark und Malta. Fazit: Wo Mädchen, aus welchen Gründen auch immer, frühzeitig die Chance bekommen, sich für Naturwissenschaften und Technik zu interessieren, verringert sich der Abstand zwischen Frauen und Männern deutlich.

Heute wählen junge Frauen häufiger als in der Vergangenheit männertypische Bildungsfelder und Studiengänge: In allen universitären Fachbereichsgruppen sowie in den männertypischen Bildungs- feldern auf der Sekundarstufe II und in Fachhochschulen ist der Frauenanteil gestiegen. Wenn das keine guten Aussichten sind.

Für die BKW heisst das: Frauen darin bestärken, dass sie es können! Und die Männer müssen verstehen lernen, dass der Erfolg der Frauen auch ihr Erfolg ist.

Stefanie Uwer

Stefanie Uwer

Kommunikationsmanagerin bei der BKW