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Frankreich tritt auf die Tube, was den Ausbau der erneuerbaren Energien angeht. Wir beleuchten die Details dieses Ausbaus und schätzen mit unserem Strompreismodell den Effekt, den der Zubau auf die französischen Strompreise hat.

Der Ausbau der Erneuerbaren wird in Frankreich in der mehrjährigen Programmplanung für Investitionen (programmations pluriannuelles des investissements, PPI) festgelegt. Der Erlass der französischen Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal legt die Ziele hinsichtlich der installierten Leistung einzelner Technologien und den Ausbau der Erneuerbaren bis 2023 fest. Für jede Technologie ist ein spezifisches Ausbauvolumen bis 2023 festgeschrieben, jeweils mit Zwischenzielen für 2018. So soll die die installierte Kapazität an Erneuerbaren von 43GW im Jahr 2015 bis 2023 auf 71-78GW fast verdoppelt werden.

Die beschlossenen Ziele sowie der Zeitplan für Ausschreibungen sollen im PPE-Erlass (décret PPE, kurz für programmation pluriannuelle de l’énergie) festgehalten werden. Dieser soll noch diesen Herbst verabschiedet werden.

Hintergrund ist, dass Frankreich den Anteil der Kernkraft an der Stromproduktion drastisch reduzieren will: von derzeit über 75% auf 50% bis 2025. Demnach will Frankreich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts 22 seiner 58 Reaktoren abschalten.

Die Ausbaupfade der einzelnen Technologien

Wie in der Tabelle dargestellt, will Frankreich die installierte Leistung seiner Onshore-Windparks bis Ende 2023 auf 21.8-26GW mehr als verdoppeln gegenüber Stand heute (rund 10.3GW). Für Ende 2018 wird ein Ausbauziel von 15GW genannt. Offshore-Wind soll bis Ende 2018 auf 500MW und bis Ende 2023 auf 3GW ausgebaut werden. Zusätzlich zu den installierten Anlagen können bis 2023 im Zuge von Ausschreibungen weitere Projekte bezuschlagt werden. Das gesamte Volumen aller installierten, bezuschlagten und sich in Entwicklung befindlichen Anlagen kann demnach 2023 bis zu 6GW für Offshore-Windparks und bis zu 2GW für erneuerbare Meeresenergien betragen, sagte Umweltministerin Royal.

Der Solarpark soll von derzeit 5.7GW auf 10.2GW bis Ende 2018 klettern und Ende 2023 zwischen 18.2-20.2GW betragen. Für die Wasserkraft wird eine geplante Kapazität von 25.3GW bis 2018 und für 2023 von 25.8-26.05GW genannt.

Um seine Ausbauziele zu erreichen, fördert Frankreich die Erneuerbaren unter anderem durch Marktprämien, die über Ausschreibungen vergeben werden. Zeitgleich mit der Bekanntgabe der neuen Ausbauziele veröffentlichte das Umweltministerium eine entsprechende Ausschreibung zu Kleinwasseranlagen mit einer Gesamtkapazität von 60MW. Auch eine Ausschreibungsrunde und staatliche Vorstudien zu Offshore-Windanlagen wurden angekündigt. Details zum Zeitrahmen und zur Kapazität stehen jedoch noch nicht fest.

Der Einfluss auf die Preise

Die geplanten Mengen an grünem Zubau bringen die Preise unter Druck. Wir können in das Strompreismodell von Analyse Handel verschiedene Szenarien einpflegen und den Effekt auf die Preise schätzen. Extrapoliert man nun den mittleren historischen Zubau als Base Case und vergleicht diesen mit dem Zubau nach dem neuesten PPE, so ergibt sich ein jährlich steigender Abschlag für die Kontrakte ab dem Cal17. Dem Fakt, dass Frankreich einen Korridor für den Minimal- und den Maximalausbau vorgibt, haben wir mit unserem Strompreismodell in der Tabelle (LINK) ebenfalls Rechnung getragen.

So ergibt sich beim Minimalausbau für das Cal17 ein Delta von -0.56€/MWh, -0.71€/MWh beim Maximalausbau. Im Cal18 liegt die Differenz zwischen Base Case-Ausbauplan und neuem Ausbauplan gemäss PPE minimal bei -0.63€/MWh und maximal bei -0.97€/MWh. Am spannendsten ist aber das Cal19, denn hier geht die Schere nochmals auf: minimal kommt das Delta bei -0.97€/MWh heraus, maximal klettert es auf -1.31€/MWh.

Was lernen wir?

Grundsätzlich gilt, dass mehr Leistung an Kraftwerken ohne variable Kosten die Preise unter Druck bringt. Dies ist allerdings nur ein Puzzlestein unter vielen. Der grösste Hebel Frankreichs liegt bei der Kernkraft. Wenn die Politik hier ihren Pfad ändert bzw. den angekündigten Pfad durchzieht, dann hat dies den grössten Preiseffekt. Zusätzlich spielen die Grenzkapazitäten und dann natürlich auch der effektive Ausbau der Erneuerbaren eine Rolle.

Alexandra Berchtold

Alexandra Berchtold

Die Analystin Handel ist verantwortlich für die qualitative Analyse der wichtigsten Strom- und Brennstoffmärkte, die Berichte und den Fluss der Nachrichten in die relevanten Kanäle innerhalb der BKW.