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Als letzte Woche oberhalb dem Chalberhöni bei Saanen die Motorsäge kreischte, wurden keine Bäume geschnitten, sondern Holzmasten. Vier Netzmonteure der BKW demontierten die alte 0,4kV-Stromleitung zwischen dem Chalberhöni und dem Hindere Eggli. Die neue Leitung wurde in den Boden verlegt, wie die Mehrheit der Mittel- und Niederspannungsleitungen im Verteilnetz der BKW.

48 Jahre lang hat er Wind und Wetter getrotzt bevor der Holzmast im Wald etwas unterhalb der Strasse zum Hindere Eggli nach einem sauberen Schnitt mit der Motorsäge innert Sekunden zu Boden fällt. Der stellvertretende Gruppenchef des BKW Stützpunkts Gstaad, Stefan Annen, schneidet den Mast etwa gleich hoch wie die Zaunpfähle daneben, damit der Landwirt den Stumpf zum Zäunen weiter nutzen kann. «Hier war der Specht am Werk», sagt Annen und zeigt auf Löcher im Holz des Masts, der nun auf dem Waldboden vor ihm liegt. Der Mast weist auch Risse auf. «Trotzdem hätte der noch viele Jahre hier stehen können, da er imprägniert ist», erklärt Annen. Der unterste Teil des Masts, die sogenannte Tag-Nacht-Zone, wo die Feuchtigkeit dem Holz am meisten zusetzt, war zum speziellen Schutz zusätzlich mit Teer bestrichen worden. «Heute ist das Imprägnieren nur noch mit ökologisch verträglichen Mitteln erlaubt. Dies führt zu einer wesentlich kürzeren Lebensdauer der Stangen», so Annen.

Insgesamt drei Kilometer Freileitung demontiert

Dem gefällten Holzmast werden die Isolatoren abgeschraubt, dann schleifen ihn zwei Lernende Netzelektriker mit Hilfe eines geländegängigen Kleinfahrzeugs, ein sogenannter Raupendumper, durch den Wald bis zur nächsten Strasse hinab. Unterdessen zieht Annen die  vier kupfernen Drähte der 0,4kV-Leitung auf eine mechanische Spule auf, die an der Front des Geländewagens befestigt ist; eine Eigenkonstruktion der Monteure. Der vierte Mitarbeiter im Team achtet darauf, dass sich die Drähte beim Aufziehen auf die Spule nicht im Gebüsch verheddern. Die Arbeit geht schnell und routiniert von Statten. Die vier Männer haben in wenigen Tagen 15 Holzmasten und 600 Meter Leiterdrähte zwischen dem Chalberhöni und dem Hindere Eggli demontiert. Es sind die letzten Demontagearbeiten im Rahmen dieses Projekts. Bereits im letzten Jahr hat das Team die 16kV-Freileitung zwischen Gstaad und Eggli sowie die 16kV-Leitung Eggli-Chalberhöni abgebaut.

Weniger Instandhaltung und Störungen

Grund für die Erdverlegung dieser Freileitungen war nicht nur der grosse Instandhaltungsaufwand. «Neuere Holzmasten ohne Imprägnierung müssen rund alle 25 Jahre ausgetauscht werden», erklärt Projektleiter Bernhard Aegerter später in seinem Büro im BKW Stützpunkt Gstaad. «Hinzu kommen Holzerarbeiten, um die Leitungstrassees frei zu halten.» Vor allem aber waren die Leitungen, die mehrheitlich durch bergiges Waldgebiet führten, Wind und Wetter ausgesetzt und daher besonders störungsanfällig. Aegerter zieht ein Fotoalbum hervor und zeigt Bilder der Verswüstung nach dem Föhnsturm im Jahr 1962 und den Stürmen Vivian und Lothar. «Mit der Kabelleitung werden wir sicher weniger Störungen haben», sagt Aegerter. Das ist wichtig für die Region, denn schliesslich hängen an diesen Leitungen das Skigebiet Eggli und die Verbindungsbahn zum Gebiet Videmanette, die auf eine hohe Versorgungsqualität angewiesen sind.

Rohre einpflügen statt Kabelgräben ausheben

Für die neuen Kabelleitungen wurden keine Gräben ausgehoben. Stattdessen wurden die Rohre für die neuen Kabelleitungen mit einem speziellen geländegängigen Fahrzeug eingepflügt. Das heisst, das Fahrzeug grub nur eine schmale Kerbe in den Boden, in die das Rohr laufend eingelegt wurde. Auf einem Teilabschnitt wurden auf diese Weise sogar zwei Rohre aufs Mal eingepflügt. Die Kabel haben die Monteure dann nachträglich in die Rohre eingezogen. «Mit dieser Technik entstehen den Grundeigentümern kaum Ertragsausfälle», freut sich Aegerter, «und es können bis zu 400 Meter Rohre pro Tag eingepflügt werden.» Somit sei diese Technologie bedeutend günstiger und ökologischer, als wenn ganze Gräben ausgehoben werden müssen. Wie im Gebiet Eggli-Chalberhöni verlegt die BKW im Mittel- und Niederspannungsnetz immer mehr Freileitungen in den Boden. Der Aufwand ist hier um ein Vielfaches geringer als im Hochspannungsbereich. Heute sind im Verteilnetz der BKW rund 52 Prozent der 16kV-Leitungen und 87% der 0,4kV-Leitungen verkabelt.

Christine Klinger

Christine Klinger

Projektleiterin Kommunikation bei der BKW