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Wärme kann auf vielfältige Weise aus einem Haus entfliehen, sei es durch undichte Fenster, Schwachstellen am Dach oder an der Fassade oder wegen schlecht isolierten Heizungsleitungen. Wie man solche energetischen Schwachstellen findet und was man dagegen tun kann, zeigt uns Andrea Erzer, Energieberaterin bei der BKW, an einem für sie ganz gewöhnlichen Arbeitstag.

Andrea Erzer, Energieberaterin bei der BKW, macht nicht nur Aussenaufnahmen, sondern auch welche von Innen, die oft noch mehr über den Isolationsstand eines Hauses aussagen.

Es ist ein kalter Dienstag Morgen im Dezember mit gerademal minus zwei Grad Celsius und ganz Bern versinkt unter dickem Nebel. Andrea Erzer, Energieberaterin bei der BKW, freut’s. Eine solche Nebeldecke kommt ihr gerade Recht bei ihrer Arbeit. Denn sie ist an diesem Morgen früh unterwegs nach Boll zu einer Kundin, wo sie Wärmebildaufnahmen machen will. Diese lassen sich überhaupt erst nur dann machen, wenn es draussen kälter als fünf Grad ist. Alles darüber würde keine aussagekräftigen Ergebnisse zulassen. Und auch der Hochnebel leistet seinen Beitrag: Dank ihm können die störenden Einflüsse des kalten klaren Himmels oder allfällige Sonneneinstrahlung reduziert werden.

Wärme kann auf vielfältige Weise aus einem Haus entfliehen, sei es durch undichte Fenster, Schwachstellen am Dach oder an der Fassade oder wegen schlecht isolierten Heizungsleitungen. So kann es schnell zu einem unerwünschten Energieverlust kommen. Mit dem blossen Auge kann man schlecht abschätzen, wo in einem Haus sanierungsbedarf herrscht. Mit einer thermografischen Untersuchung, oder Wärmebildaufnahme, lassen sich energetische Schwachstellen hingegen leicht aufdecken. Dabei werden mithilfe einer speziellen Infrarot-Kamera Bilder erstellt, die genau anzeigen, an welchen Stellen des Gebäudes Wärme verloren geht. Was manch einer fühlt, oder ahnt, nämlich, dass das Eigenheim oder die eigene Wohnung nicht ganz dicht ist, wird so sichtbar.

Waermebildaufnahmen von Aussen und von Innen

Von Aussen und von Innen

In Boll angekommen macht sich Andrea gleich an die Arbeit. Schliesslich ist Zeit ein nicht ganz unwichtiger Faktor. Die Nebeldecke löst sich schon langsam auf und die Sonne bricht durch. Darum kommen die Aussenaufnahmen zuerst an die Reihe. Einmal umrundet Andrea das ganze Einfamilienhaus und beleuchtet mit ihrer Flir T335 Kamera jede Stelle der Hausfassade. Bei den Fenstern leuchtet es etwas rötlich, doch das ist normal. Die Schnittstellen zwischen Fenstern und Fassade sind immer etwas undicht. In diesem Fall ist das nicht weiter beunruhigend, schliesslich haben die Hauseigentümer die Fenster erst vor einigen Jahren erneuern lassen. Ansonsten scheint das Haus von aussen ziemlich gut isoliert zu sein. Doch für eine umfassende Beurteilung fehlen noch die Innenaufnahmen. Diese sagen oft mehr aus, als die Aussensicht.

Das Haus stammt aus dem Jahr 1980, doch man merkt schnell, dass hier investiert wurde. Über die Jahre haben die Eigentümer immer wieder Renovationen vorgenommen. Erst vor Kurzem wurde eine Bodenheizung eingebaut, die Fenster erneuert und sogar die alte Elektrospeicherheizung durch eine moderne Sole-Wasser Wärmepumpe ersetzt. Dennoch findet Andreas Kamera auch hier ein paar Schwachstellen. Vor allem die Dachfläche zeigt stellenweise tiefe Oberflächentemperaturen, was auf Mängel in der Dämmung oder auf Feuchteeintritt zurückzuführen ist. Auch die Tür zum Estrich leuchtet blau. Oft vergisst man, dass solche ungeheizten Kammern oder Räume dennoch einen Energieverlust verursachen können, wenn nämlich die Tür nicht isoliert ist. Eine weitere Tür, die Andrea Sorgen macht, ist die Schiebetür zum Balkon. Diese leuchtet nicht nur in der Kamera dunkelblau, man kann die hineinziehende kalte Luft sogar mit der blossen Hand spüren. Die Kundin reagiert überrascht. Schliesslich sei die Türe ganz neu. Ein Anruf beim zuständigen Fensterbauer ist vorprogrammiert.

Die Dachfläche im Visier

Eine umfassende Energieberatung geht über die Wärmebildaufnahmen hinaus

Sowohl bei bestehenden oder sogar in die Jahre gekommenen Häusern, aber auch bei Neubauten ist es wichtig Schwachstellen in der Isolierung und damit Energieverluste frühzeitig aufzudecken. Mithilfe von Wärmebildaufnahmen kann man nicht nur Schwachstellen im Bereich der Gebäudehülle oder der gesamten Baukonstruktion feststellen, sondern auch allfällige Lecks bei der Fussbodenheizung finden. Wärmebildaufnahmen sind mittlerweile ein fester Bestandteil von Gebäudeuntersuchungen. Doch hier kommt’s auf die Genauigkeit an. Nach dem Vormittag in Boll, wo Andrea jeden Winkel innerhalb und ausserhalb des Hauses mit der Wärmebildkamera abgesucht und aufgezeichnet hat, folgt eine Analyse der Aufnahmen. Diese schickt sie den Hausbesitzern in Form eines Wärmebildberichts zu, bei dem sie auf alle Schwachstellen eingeht und auf allfällige Massnahmen hinweist. Wer es noch genauer haben möchte und wissen will, wie viel Energie man durch energetische Sanierungsmassnahmen sparen kann oder wie viel Strom man selbst erzeugen und verbrauchen könnte oder wenn jemand vor dem Heizungsersatz steht, empfiehlt sich eine umfassende Energieberatung.

Und wie geht es weiter mit dem Einfamilienhaus in Boll? Das Haus ist in gutem Zustand. Natürlich gibt es hier und da ein paar Schwachstellen, doch diese verursachen noch keinen akuten Handlungsbedarf. Die nächste grössere Renovation wird wohl das Dach betreffen, denn dieses hat die meisten Lecks gezeigt. Die Hauseigentümer denken da aber schon einen Schritt weiter, als an die blosse Isolation des Daches: Sie sind sich sicher, dass sie früher oder später eine PV-Anlage auf dem Dach installieren möchten, um mit dem selbstproduzierten Strom den Swimmingpool und weitere Bereiche des Hauses zu versorgen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch die letzten energetischen Schwachstellen ihres Heims angepackt werden.

Ivana Jazo

Ivana Jazo

Redaktorin Digital Communications bei der BKW