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Arbeiten, wohnen, leben: In Zollikofen bei Bern entsteht das Gewerbehaus der Zukunft. Die Ecobox ist flexibel nutzbar und deckt ihren Energiebedarf selbst.

Am Anfang stand ein Areal. Eine Brache in der Nähe der Stadt Bern, mit dem Zug erreichbar, von guter Grösse – doch niemand wollte hier bauen. Bis Rudolf Holzer das Grundstück und sein Potenzial entdeckte: «Im Raum Bern sind günstige und flexible Gewerbeflächen gefragt», sagt der Architekt. «Und die Lage beim Bahnhof Zollikofen ist dafür perfekt.»

Holzer entwickelt Immobilien für die Steiner AG, die Bauten wie das Sihlcity in Zü­rich oder den Postparc in Bern realisierte. Beim Areal in Zollikofen geht das Unternehmen neue Wege. Hier entsteht kein gewöhnliches Gewerbehaus, sondern ein grünes Pionierprojekt. Gemeinsam mit dem Bieler Architekten Jan Gebert entwarf Rudolf Holzer die Ecobox: ein umweltfreundliches, wandelbares Gebäude, das sich ganz den Bedürfnissen seiner zukünftigen Mieter anpasst. Sie werden entscheiden, wie sie die Flächen nutzen möchten. Flexible Arbeitsplätze, sogenannte Coworking Spaces, sind ebenso möglich wie traditionelle Büros oder Ateliers für KMUs. Zudem bieten möblierte Appartements mit Servicedienstleistungen und Clusterwohnungen (eine Kreuzung zwischen WG und Kleinwohnung) Unterkünfte auf Zeit für Geschäftsleute und Studenten. Weiter sind ein Gastronomie­ und Fitnessangebot geplant.

Rudolf Holzer von der Steiner AG (links) ist Initiant des Projekts Ecobox. Mit Jan Gebert von Gebert Architekten (rechts) entwickelte er das Gebäude.

Ein Novum in der Ecobox ist die Batterie, die überschüssigen Solarstrom speichert

Marc Eschler von der BKW ist zuständig für das Energie- und Haustechnikkonzept der Ecobox. Im Hintergrund das Gelände beim Bahnhof Zollikofen bei Bern, wo das Gewerbehaus gebaut wird.

Die hohe Anpassungsfähigkeit der Ecobox garantiert eine lange Nutzungsdauer und somit einen nachhaltigen Bau. Innovativ beim Projekt ist aber vor allem auch die Gebäudetechnologie. Marc Eschler von der BKW entwickelte mit seinem Team das Energie­ und Haustechnikkonzept der Ecobox. Es deckt seinen Energiebedarf praktisch selbst: Eine Fotovoltaik­anlage auf dem Dach liefert Strom. Die Abwärme von Serverräumen oder Computern wird wiederverwertet. Eine wichtige Rolle spielt auch die Gebäudehülle: Ein spezielles Fassadensystem nimmt solare Energie auf und wandelt sie in Wärme um. «Ein Novum in diesem Nahe-zu-­Null-Energie-­Gebäude ist seine Batterie», sagt Marc Eschler. Sie speichert den überschüssigen Strom aus der Fotovoltaikanlage und gibt ihn in der Nacht oder an lichtarmen Tagen ab.

Momentan ist das alles noch eine Vision. Das Areal beim Bahnhof Zollikofen dient als Parkplatz. Doch die Baubewilligung für die Ecobox liegt vor. Nun sucht Initiant Rudolf Holzer nach Investoren, damit das Gebäude wie geplant 2019 fertiggestellt werden kann.

 

Dieser Artikel ist im SI Grün erschienen, einem Magazin der Schweizer Illustrierten.