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Über die letzten Wochen sind die Strompreise in Frankreich und der Schweiz massiv gestiegen. Wir erklären diese Bewegungen und deren Treiber und werfen einen Blick auf die Länderspreads.

Ein Blick auf die Strompreisentwicklung in Frankreich und der Schweiz über die letzten Wochen sollte jedem, der sich mit Strom eindecken muss, einen gehörigen Schrecken einjagen. Alle Frontprodukte weisen massive Anstiege auf (Chart 1): so ist beispielsweise das Q117 von 39.13€/MWh Anfang September auf 63.30€/MWh per 10. Oktober gestiegen, das Cal17 Base weist über den gleichen Zeitraum ein Plus von knapp 10€/MWh auf.

Chart 1

Der primäre Grund für den Preisanstieg ist die geringe Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke. Gekoppelt mit der Sorge um die Zuverlässigkeit der Reaktoren und einer Erklärung des Betreibers EDF, dass die Anlagen ihre anvisierte Jahresproduktion nicht erreichen werden, treibt Angst die Strompreise rapide nach oben.

Niedrigere Produktion der französischen KKW

Chart 2

Aus Chart 2 ist die niedrigere Produktion ersichtlich: Ende September lag die Produktion bei rund 37GW und damit unter 60% der installierten Leistung. Im längerfristigen Vergleich der KKW-Produktion sieht man, dass die Produktion im Jahr 2016 rund 6-7GW unter dem historischen Niveau liegt. Der Grund: der Betreiber EDF hat eine Serie von verlängerten und ursprünglich ungeplanten Wartungsarbeiten angekündigt, da 18 Anlagen auf möglicherweise beschädigte Dampfgeneratoren überprüft werden müssen.

Chart 3

Chart 3 veranschaulicht die Probleme der EDF: so hat der Konzern per Planung vom 1. August eine um rund 10GW höhere Verfügbarkeit der KKW-Produktion erwartet gehabt. Per 1. September hatte der Konzern mit einem Anheben der Produktion von 40GW auf 45GW innert der ersten Monatshälfte gerechnet, was sich aber dann nicht realisieren liess. Per 4. Oktober lag nämlich die Produktion noch immer bei 40GW, sollte allerdings abermals per Mitte Monat die fast schon magischen 45GW erreichen. Ob sich die prognostizierte KKW-Verfügbarkeit weiterhin nach hinten verschiebt, bleibt abzuwarten.

Die Schwierigkeiten durch die längeren Wartungsarbeiten haben die EDF auch veranlasst, ihre Prognose für die Jahresproduktion 2016 um 15TWh nach unten zu revidieren – dieses Jahr die dritte Korrektur nach unten. So liegt das Ziel nun bei 380-390TWh, von 395-400TWh im Juli und 410-415TWh im April.

Zusätzliche Treiber für den Strompreisauftrieb dürften die geplante Carbon-Steuer ab 1. Januar 2017 sowie die saisonal-bedingt knappere Wasserkraft sein.

Die Länderspreads

Die Angst geht aber nicht nur in Frankreich um, sondern auch in der Schweiz. Der Spread Frankreich-Deutschland hat seit April einen massiven Anstieg von rund 7€/MWh auf knapp 30€/MWh per 10. Oktober erfahren (grüne Linie, linke Achse). Beim Länderspread Frankreich-Schweiz herrschte bis 6. Oktober noch die Ruhe vor dem Sturm – der Spread pendelte um die Null in leicht negativem Terrain (lila Linie, rechte Achse). Per Ende September stieg der Spread zuerst auf gut 3€/MWh, kehrte dann aber per 6. Oktober auf -2.73/MWh, nur um wenige Tage später wieder Richtung Null zu wandern.

In der Schweiz hat vor allem die um fast vier Monate verlängerte Revision des grössten Reaktors Leibstadt (1,220MW), welche  der Betreiber Axpo am 6. Oktober publizierte, die Käufer auf den Plan gebracht. Zudem ist der Reaktor Beznau-1 seit März 2015 wegen Sicherheitsbedenken vom Netz.

Nicht zu unterschätzen ist für die Schweizer Strompreise auch der Einfluss des «flüssigen Goldes», also Regen und Schneeschmelze. Weil unsicher ist, wie viel Wasser bis Ende des Jahres in die Speicher fliesst, wie viel Wasser im Q416 verbraucht worden sein wird, wie gut die Schneelage aussieht und wann die Schneeschmelze einsetzt, setzen viele lieber auf eine Long-Position.

Wie geht es weiter?

Der Wettergott Petrus und die Verfügbarkeit der Kernkraftwerke sind die beiden Komponenten, auf welche der Markt seine Augen haben muss. Es ist wie immer: you have to watch this space. We certainly will!

Alexandra Berchtold

Alexandra Berchtold

Die Analystin Handel ist verantwortlich für die qualitative Analyse der wichtigsten Strom- und Brennstoffmärkte, die Berichte und den Fluss der Nachrichten in die relevanten Kanäle innerhalb der BKW.