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Wir drehen am Hahn und schon fliesst sauberes Wasser in bester Qualität aus der Leitung. In der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. Doch hinter diesem Stück normaler Zivilisation stecken eine ganze Menge Arbeit und eine ausgeklügelte Infrastruktur. Und einer, der direkt an der Quelle sitzt: der Brunnenmeister.

«Nein, unser Wasser kommt nicht aus einer Quelle», antwortet Roland Bieri auf unsere erste Frage und erklärt, dass die Gemeinde Worb das Wasser aus dem Pumpwerk Wehrliau bei Muri b. Bern bezieht.

«Rund 80 Prozent der Schweizer Wasserversorgung werden durch Grundwasser abgedeckt», sagt einer, der es wissen muss: Als Brunnenmeister obliegt ihm die Versorgung der Gemeinde mit sauberem Wasser.

«Hier komme ich ins Spiel», verkündet Roland Bieri nicht ohne Stolz in der Stimme, «denn um die hohe Qualität des Wassers zu erhalten, habe ich alle Hände voll zu tun.» Früher haben Brunnenmeister die Brunnen und Brunnstuben kontrolliert, heutzutage müssen sie ein ganzes Netz von Wasserleitungen im Auge behalten. Eine anspruchsvolle Aufgabe mit viel Verantwortung.

Sauberkeit ist das oberste Gebot

Um Verunreinigungen durch Mikroorganismen im Keim zu ersticken, mischt der Brunnenmeister je nach Bedarf ein wenig Chlor ins Wasser. «Chlor ist unser Helfer, wenn es irgendwo im Leitungsnetz zu einer Verunreinigung kommt», erklärt Roland Bieri, «denn Chlor greift Keime und Bakterien dort an, wo sie auftreten.»

Die geringen Mengen im Nullkommanullbereich sind für den menschlichen Körper unbedenklich und nicht einmal unser Gaumen stört sich daran. Eine weitere unerlässliche Aufgabe des Brunnenmeisters ist das Vermeiden von Stagnation.

Das bedeutet, dass das Wasser nicht zu lange im Leitungsnetz verweilen darf. Denn sonst besteht die Gefahr, dass sich unerwünschte Mikroorganismen ausbreiten können.

«Die Spülung des Leitungsnetzes ist deshalb eine der wichtigsten Massnahmen, um die Sauberkeit des Wassers zu erhalten», so der Brunnenmeister, «und natürlich die regelmässige Entnahme von Wasserproben.»

Ohne Strom kein Wasser

Der Weg des Wassers bis nach Worb ist ein weiter: Von den Grundwasserspeichern in Muri b. Bern gelangt das blaue Gold durch unterirdische Leitungen bis ins Worber Wasserreservoir.

Hier wird es ins Leitungsnetz der Gemeinde eingespeist. Am späten Abend wird das Reservoir wieder aufgefüllt. Der Brunnenmeister erklärt, dass ohne Strom keine derartige Versorgung möglich wäre, denn das Wasser muss mit hohem Druck in die Leitungen gepumpt werden.

Der Betrieb der grossen Pumpen ist nur mit Strom möglich. «Bei einem Stromausfall können wir die Wasserversorgung bis zu drei Tage aufrechterhalten, dank der grossen Wasserkapazität unseres Reservoirs. Danach sieht die Notfallplanung vor, das Wasser mit Lastwagen nach Worb zu transportieren.»

Für Ernstfälle wie Erdbeben, Stromausfall oder gar terroristische Anschläge steht ein sogenannter TWN-Plan («Trinkwasser in Notlagen») bereit.

Wenn die Versorgung ins Wasser fällt

Es liegt auf der Hand, dass sich der Brunnenmeister mit solchen Szenarien beschäftigt – schliesslich ist die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser überlebenswichtig.

Auf die Frage nach möglichen Gefahrensituationen antwortet Roland Bieri ernst: «Natürlich können Erdbeben auftreten oder ein Flugzeug auf das Wasserreservoir abstürzen und die Anlage zerstören. Doch weitaus realistischer ist die Gefährdung durch Bodenbelastung.»

Der Brunnenmeister wird konkret: «Die Grundwasserspeicher liegen in sogenannten Schutzzonen. Dort gelten strenge Regeln punkto Bauplanung und Landwirtschaft. Trotz aller Vorsicht könnte es passieren, dass gerade in diesem sensiblen Bereich ein Unfall geschieht und der Boden beispielsweise durch auslaufendes Benzin verschmutzt würde.

Oder der natürliche Filter des Bodens durch schwere Fahrzeuge beschädigt und somit ausser Kraft gesetzt würde – Mikroorganismen könnten dann viel einfacher ins System eindringen.»

Brunnenmeister gibt es nicht wie Sand am Meer

Wie wird man denn überhaupt Brunnenmeister? «Viele kommen aus einem sanitären Beruf und absolvieren in der Regel eine sechsmonatige, berufsbegleitende Brunnenmeisterschule.»

Zusammen mit seinem Stellvertreter kümmert sich Roland Bieri seit sieben Jahren um die öffentliche Wasserversorgung der Gemeinde. «Die Arbeit ist spannend und bietet sehr viel Abwechslung», erzählt er.

«Es ist schon vorgekommen, dass Wasser illegal abgezapft wurde – doch wir sind dem Dieb sehr schnell auf die Schliche gekommen.» Aber auch die Instandhaltung der Infrastruktur gehört zu den Aufgaben des Brunnenmeisters. So wird einmal im Jahr das Wasserreservoir komplett geleert und gründlich geputzt.

Sinnvoller Umgang mit Wasser

Die Schweiz verfügt glücklicherweise über schier unerschöpfliche Wasserreserven. Der durchschnittliche Wasserverbrauch im Privathaushalt liegt bei 160 Litern pro Tag und Person. Rät der Brunnenmeister zu einem sparsamen Umgang mit Wasser?

«Nicht direkt. Natürlich ist ein sinnvoller Umgang mit Wasser wichtig. Noch wichtiger aber ist, das Wasser und den Wasserkreislauf möglichst nicht mit Chemikalien, Dünger oder falsch dosiertem Waschmittel zu verschmutzen. Den Wasserkonsum im Haushalt einzuschränken, zahlt sich fürs Portemonnaie nicht aus.

Die Wasserversorgung hat nämlich einen hohen Fixkostenanteil von 90 Prozent. Zudem beeinflusst das Wassersparen die Wasserqualität, da geringe Durchflussmengen hygienische Probleme verursachen. Ich empfehle, Hahnenwasser statt Mineralwasser zu trinken, denn dieses benötigt schätzungsweise bis tausendmal weniger Energie als Flaschenwasser aus dem Handel und die Qualität stimmt auch.»

Zum Schluss stellen wir noch die Gretchenfrage: «Was trinken Sie am liebsten, Herr Bieri?» – «Hahnenwasser!» antwortet der Brunnenmeister ohne zu zögern.

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So nehmen Sie an der Verlosung teil: Schicken Sie uns ein Bild Ihres Lieblingsbrunnens. Für die ersten 300 Ein-sendungen spenden wir je 10 CHF an SWISSAID. Das Schweizer Hilfswerk setzt sich erfolgreich für den Bau von Brunnen und Wasserleitungen in trinkwasser-armen Regionen der Welt ein.

Teilnahme an der Verlosung unter:

blog.bkw.ch/wettbewerb

Teilnahmeschluss:

10. Januar 2015

BKW Magazin

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