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Die Teilerneuerung der Unterstation Wilderswil sichert die Versorgung des östlichen Berner Oberlands. Ende Mai wurde die neue gasisolierte 132kV-Schaltanlage angeliefert, wobei nebst Präzision, Kraft und Know-how auch ein Stück Fatalismus gefragt war. 

Morgens um halb acht an der Unterstation Wilderswil am Wengelacherweg. Alles ist für die Ankunft der beiden LKWs mit der gasisolierten Schaltanlage vorbereitet. Ein Gleitschirmflieger dreht am strahlend blauen Himmel seine Runden und schaut interessiert auf die Unterstation herab. Die Zeit vergeht, keine Schaltanlage in Sicht. Mittlerweile ist es halb elf geworden und die Montagerunde erfährt, dass der LKW im Stau vor dem Zoll in Basel steht. Grund: Am Abend vorher sind aufgrund einer Grossstörung bei der Swisscom die Computersysteme des Zollamtes ausgefallen, so dass keine Verzollungen mehr gemacht werden konnten. Am nächsten Morgen musste sich die Lage erst normalisieren. Gesamtprojektleiter Philipp Schärf zeigte das Bild einer Webcam vom Zollstau. Die Hoffnung, die Lieferung in nächster Zeit zu erhalten, schwand.

Was nicht schwand, war die gute Stimmung auf der Baustelle. Ganz klar, dies war nicht das erste Mal, dass die Montageprofis auf Anlagekomponenten warten mussten. Die Erkenntnis «Was wir nicht ändern können, darüber regen wir uns nicht auf» schwebte unausgesprochen über der Unterstation. Ein Ersatzplan für den Fall, dass die Schaltanlage so spät geliefert würde, dass man sie nicht mehr in die Unterstation bringen konnte, existierte natürlich längst im Kopf des Montageleiters Peter Abegglen.

Der Plan musste nicht umgesetzt werden, denn der erste LKW der Spedition Avanti erschien um 14:30 auf der Baustelle. Zwar hatte die Sonne längst den höchsten Punkt überschritten, aber sie stand noch hoch genug und tauchte die Unterstation in ein helles Licht. Die eine oder andere Schleierwolke störte die Stimmung nicht.

Nun scheint es nicht so schwierig zu sein, ein paar aus Metallröhren bestehende Schaltfelder von einem LKW abzuladen und in die Unterstation zu bringen. Nur: Ein Schaltfeld wiegt 3.5 Tonnen und musste in der Unterstation ohne Kran auf ein rund ein Meter hohes Podest und von dort auf Schwerlastrollen an den definitiven Standort transportiert werden. Denn die Hebekraft des vorhandenen Krans beschränkte sich auf eine Tonne.

Dazu brachte Arnold-Monteur Bernhard Sahli seinen LKW mit hydraulischem Kran in Position. Der Avanti-LKW rangierte so nah wie möglich heran. Sahli manövrierte das Stahlmonster mit viel Fingerspitzengefühl auf seinen LKW, fuhr die Stützen ein und rangierte rückwärts millimetergenau in die Unterstation, bis seine Ladefläche mit dem Podest eine Ebene bildete. Jetzt konnte das Schaltfeld auf Position gerollt werden. Was sehr viel leichter klingt, als es ist. Auch auf Rollen wollen dreieinhalb Tonnen erst einmal bewegt werden. Für einen eingespielten Montagetrupp natürlich ein lösbares Problem. Für die restlichen Schaltfelder wiederholte sich die Prozedur: Arnold-LKW in Position bringen, Stützen ausfahren, Avanti-LKW heranfahren, Schaltfeld umladen, Avanti-LKW zur Seite fahren, Stützen einfahren, rückwärts in die Unterstation an das Podest heranfahren, Schaltfeld auf Position rollen. Beim letzten Schaltfeld hatte die Sonne bereits Zuflucht hinter einem der umgebenden Berge gesucht.

Angesichts der Leistung, die das Montageteam ohne Hektik erbracht hatte, breitete sich eine zufriedene Stimmung auf dem Gelände aus. Ein letzter Blick auf die jetzt ordentlich aufgereihten Schaltfelder, dann verliess einer nach dem anderen die Baustelle. Am nächsten Morgen würden sich alle wiedersehen, um die Schaltfelder zu montieren.

Aber was ist der Grund für diese Riesenaktion? Die Unterstation Wilderswil ist zentral für die Versorgung des östlichen Berner Oberlandes, einschliesslich der Tourismusgebiete Interlaken und der Jungfrauregion. Die Unterstation besteht aus 132kV-, 50kV- und 16kV-Schaltanlagen sowie 132/50kV- und 50/16kV-Transformatoren. Die 132kV-Freiluftanlage aus dem Jahr 1965 muss erneuert werden, um die Versorgungsqualität in der Region nachhaltig zu sichern. Da die BKW die 132kV-Schaltanlage jetzt als gasisolierte Schaltanlage im bereits existierenden Gebäude der Unterstation integriert, kann später ein grosser Teil der Aussenanlagen zurückgebaut werden. Politik der grünen Wiese, sozusagen.

Christine Klinger

Christine Klinger

Projektleiterin Kommunikation bei der BKW