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Mit 16 Turbinen ist der Windpark auf dem Mont-Crosin und dem Mont-Soleil der grösste in der Schweiz. Beim ersten Repowering 2013 sind die ältesten vier Turbinen durch Modelle der neuesten Generation ersetzt worden. Dieses Jahr werden beim zweiten Repowering weitere vier Turbinen ersetzt. Nur dank Neuentwicklungen im Transportwesen können die 54 Meter langen Rotorblätter durch das Strassennetz der Schweiz bis auf die entlegenen Jurahöhen transportiert werden.

Es begann 1996: Die Partnergesellschaft JUVENT SA errichtete unweit des Solarkraftwerks der BKW auf dem Mont-Crosin die ersten drei Windturbinen. Deren Anzahl wurde bereits zwei Jahre danach auf vier erhöht, später auf sechs, acht und schliesslich auf sechzehn Maschinen im Jahr 2010. Der Windpark auf dem Mont-Crosin und dem Mont-Soleil im Berner Jura ist eine Erfolgsgeschichte. Mit heute 16 Turbinen ist er der grösste in der Schweiz. Dank sorgfältiger Planung und aktiver Kommunikation steht die Bevölkerung im Berner Jura auch nach zwanzig Jahren und sechs Ausbauetappen hinter dem Windpark. In einer Zeit, in welcher die Realisierung vieler Windenergieprojekte durch lange Bewilligungsverfahren und Einsprachen verzögert wird, ist das keine Selbstverständlichkeit. Mit dem zweiten Repowering wird die Gesamtproduktion des Windkraftwerks um satte 75 % im Vergleich zu 2010 gesteigert, ohne die Anzahl der Turbinen zu erhöhen.

Eine «landschaftsverträgliche Lösung»

Das Repowering sei eigentlich aus einem Mangel an Alternativen geboren, konstatiert Johannes Vogel, bereits beim ersten Repowering 2013 als Projektleiter der BKW tätig. Die Überbauungsordnung des Zonenplans sieht ein Maximum von 16 Turbinen vor. Eine Erhöhung der Gesamtzahl an Maschinen würde eine Zonenplanänderung und damit eine Volksabstimmung bedingen. Eine gemeinsam mit dem Landschaftsschutz Schweiz in Auftrag gegebene Studie kam 2007 jedoch zum Schluss, dass 16 Turbinen eine landschaftsverträgliche Lösung seien. Überhaupt streicht er die jahrelange, gute Zusammenarbeit mit Behörden und Umweltverbänden als Erfolgsfaktor für den erfolgreichen Ausbau und Betrieb des Windparks hervor. Auf die Anliegen der Bevölkerung habe die von der BKW geführte JUVENT SA schon immer grossen Wert gelegt. Widerstand gab es in der Geschichte des JUVENT-Windparks praktisch nur zu Beginn, in den Neunzigerjahren. «Die ersten drei, vier Turbinen waren die schwierigsten», schätzt Johannes Vogel. Damals hatte kaum jemand in der Schweiz Erfahrung mit der Windenergie, entsprechend gross war die Skepsis.

Unsere Strassen bestimmen die Grösse der Windturbinen

Jetzt, 20 Jahre später, schreitet der technologische Fortschritt bei der Windenergie weiter rasant voran. Zwei der Turbinen, die in diesem Jahr ersetzt werden, sind zwölf Jahre alt und eigentlich erst bei der Hälfte ihrer Lebensdauer angelangt. Doch das Repowering ermöglicht eine optimale Nutzung des Windpotentials am Standort: Die Gesamtproduktion des Windparks wird von rund 50 auf 70 GWh pro Jahr steigen. Die vier neuen Vestas V112-Turbinen erbringen eine Leistung von je 3.3 MW, haben eine Gesamthöhe von je 150 Metern und sind damit wesentlich höher als das Berner Münster (100m) und der Prime Tower in Zürich (126m). Nur mit dem Roche-Tower in Basel (178m) können die Windturbinen nicht ganz mithalten. Sind die V112 die grössten auf dem Markt? Johannes Vogel winkt ab. Derzeit kämen laufend leistungsfähigere Turbinen mit grösserem Rotordurchmesser auf den Markt. In Frage kommen diese für den Standort im Berner Jura dennoch nicht, da die Überbauungsordnung eine maximale Gesamthöhe von 150m vorsieht. Zudem sind die Schweizer Strassen ein limitierender Faktor: «Der Transportweg gibt die maximale Länge der Rotorblätter vor, die wir überhaupt hinaufbefördern können.» 54 Meter lang und damit rund zehn Meter länger als noch 2013 sind sie in diesem Jahr. Neuerungen beim Transport machen einen Transport überhaupt möglich: dank hydraulischen Hubsystemen auf den Tiefladern kann die Rotorblattspitze in engen Kurven bis zu zehn Meter und damit über ganze Häuser gehoben werden. Ein Transport per Helikopter ist nicht möglich, dazu sind die Rotorblätter zu schwer.

Mehr Strom bedeutet auch mehr Belastung für die Netze

Der Schwertransport ist natürlich nur eine von vielen Herausforderungen, die Johannes Vogel als Projektleiter zu meistern hat. Neben der eigentlichen Projektplanung mit Transport, Bau und Montage identifiziert er noch zwei weitere Handlungsfelder, die alle in enger Wechselwirkung stehen: den Bewilligungsprozess und die Windenergie als sich rasch verändernde Technologie. Auch die Zeit nach der Inbetriebsetzung der vier neuen Turbinen im Oktober 2016 will geplant sein. Hält die bestehende Netz-Infrastruktur der zusätzlichen Belastung durch die vier neuen Turbinen in jedem Fall stand? Das Windpark-interne Netz wird zwar ausgebaut, die 16kV-Mittelspannungsleitungen, die vom Windpark wegführen, jedoch noch nicht. In sehr seltenen Fällen kann es sein, dass das regionale Hochspannungsnetz die produzierte Energie auf dem Mont-Crosin und dem Mont-Soleil nicht abtransportieren kann. In diesem Fall würden die vier neuen Turbinen automatisch abgeschaltet. Nur etwa alle fünf bis zehn Jahre ist ein solcher Netzausfall zu erwarten, relativiert Johannes Vogel. Viele Bedingungen müssten gleichzeitig erfüllt sein, so zum Beispiel eine hohe Produktion in allen Kraftwerken der Region. Gleichzeitig müssten ein sehr tiefer Verbrauch und ein Ausfall einer 50kV-Leitung eintreten. Auf die langfristige, mittlere Jahresproduktion von rund 70 GWh werden sich allfällige Netzausfälle aber kaum auswirken.

Transport und Montage sind ein Spektakel

Nach dem Baustart im April werden in den ersten Monaten die Baumeisterarbeiten ausgeführt: Es werden Montageplätze und Zufahrten gebaut, Leitungen in den Boden verlegt und die Fundamente betoniert. Ab Juli werden die alten Turbinen ausser Betrieb gesetzt und demontiert. Danach folgt der wohl spektakulärste Teil des gesamten Repowerings mit dem Transport und der Montage der vier neuen Turbinen. Die Inbetriebsetzung ist für Oktober 2016 geplant. An dieser Stelle sowie auf www.juvent.ch begleitet die BKW die Bauarbeiten in Bild und Schrift.

Johannes Vogel, Projektleiter Repowering Juvent
Daniel Stegmann

Daniel Stegmann

Projektleiter Kommunikation bei der BKW