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Kein Leim, keine Farben, keine Isolation: Das neue Haus von Ex-Skifahrer Daniel Albrecht in Fiesch VS besteht aus unbehandeltem Holz. Und versorgt sich selbst mit Strom.

Macht Holz vielleicht lustig? Es ist eine typische Daniel-Albrecht-Frage, eine mit einer Spur Schalk. Sie taucht auf, als er überlegt, welche Art Haus er sich bauen möchte. Wo hat er sich bei den vielen Reisen als Skifahrer am wohlsten gefühlt? «Ich kam auf eine Holzhütte in Norwegen, in der wir es richtig lustig hatten.» Albrecht beginnt sich mit dem Thema Holz zu beschäftigen, und er findet überzeugende Argumente: dass das menschliche Herz in Holz­häusern gemäss Studien lang­samer schlägt etwa. Seit seinem schlimmen Skiunfall 2009 mit dem Schädel-Hirn-Trauma spielt die Erholung eine grosse Rolle, der 34-Jährige benötigt immer noch viel Ruhe. So bleibt er beim Thema hängen – und hängt sich immer mehr rein.

Nun steht er in seinem fertig gebauten Heim, die beiden Hunde Neo und Peppino beschnuppern die Gäste, die kleine Maria, 6 Monate, schläft im Holzbettchen daneben. «Fertiges Heim» ist nicht ganz korrekt: Albrecht und seine Frau Kerstin leben erst seit einem Monat in diesem Haus in ihrer Heimat Fiesch VS. Und so fehlen noch ein paar Lampen, Vorhänge oder Bilder. Doch die Freude am Eigenheim spürt man, wenn Albrecht über die vielen Details spricht. «Früher haben wir uns über ­gesundes Wohnen und Bauökologie nicht viele Gedanken gemacht», sagt der Superkombi-Weltmeister von 2007. Bei der Planung des Hauses entdeckten sie aber immer neue Möglichkeiten, noch natürlicher und umweltschonender zu bauen.

Eine Dachhälfte besteht aus einer Fotovoltaikanlage; die dadurch gewonnene Energie lässt sich dank der Home-Energy-Lösung von BKW (siehe Box) auch für die Nacht speichern und gezielt einsetzen. Die Anlage produziert bis zu 33 Kilowattstunden pro Tag, das reicht für den Alltag. Das restliche Dach besteht aus Schindeln aus Lärchenholz, das sie auf einer von Kerstins Vater bewirtschafteten Weide gefällt haben.

Mondholz, verdübelte Bretter und ein Schlabber-Fleck

Das Speziellste ist aber das Haus an sich von der Walter Küng AG: Die Wände, die Geschossdecken und das Dach sind aus Fichtenholz, gefällt bloss zwanzig Minuten von Fiesch entfernt im Goms. Jedes Holzteil am Haus ist unbehandelt – da gibts weder Leim noch Farbe noch Nägel. Auch dieser Verzicht auf alle chemischen Stoffe soll zum Wohlbefinden beitragen. Alle Elemente sind mit Holzdübeln verbunden, bloss die Ecken mit den massiven Holzpfosten wurden verschraubt. Und sogar bei den Aussenwänden wurde auf Holz ohne künstliche Isoliermaterialien gesetzt: Sie sind 46 Zentimeter dick und bestehen aus vielen circa drei Zentimeter ­dicken Brettern, die kreuzweise aufeinandergelegt sind. «Mit den Flecken auf dem unbehandelten Holz muss man dann eben leben», sagt Albrecht mit Blick auf eine dunklere Stelle am Boden, wo einer der Hunde einen Knochen schlabbernd abgenagt hat. «Aber in kana­dischen Bars habe ich schon Holz­böden betrachtet, die wirklich alles abkriegen. Und sie ­sehen toll aus, richtig gelebt!» Er habe schon immer ein Haus haben wollen, das im Alter immer schöner werde. Wie die mehrere hundert Jahre alten Häuser im Tal eben. «Nun habe ich mein Walliser Haus 2.0», sagt Albrecht, der seine Sportbekleidungsmarke Albright besitzt und in der Ausbildung zum ­Regional- und Berufs-Skitrainer steht.

Auch die Gewinnung des Holzes war speziell: Es ist Mondholz. Nach dieser Lehre sind bloss zwei bis drei Tage im Jahr zum Fällen geeignet. Was esoterisch klingt, hat ganz praktische Gründe: Das Holz hat an diesen Tagen weniger Wasser im Stamm, ist schon relativ trocken. Es soll weniger anfällig für Insekten und von höherer Qualität sein; muss man das Holz normalerweise sofort bearbeiten, blieben Albrechts Baumstämme – 800 Kubikmeter Rundholz – vier Monate mit den Ästen am Stamm im Wald liegen. Bei der Holzgewinnung für die Industrie bleibt meist keine Zeit für solche natürlichen Prozesse.

Bäume aber hat das Wallis ­genug. Und so träumt Daniel ­Albrecht davon, dass er auf seinen 8000 Quadratmetern Land dereinst nicht alleine bleibt, ­sondern noch mehr ­Familien ihrem Vorbild folgen und solche umweltfreundlichen Häuser bauen möchten. Wie ein eigenes Dorfviertel in dieser Art.

Dieser Artikel ist im SI Grün erschienen, einem Magazin der Schweizer Illustrierten.

Home Energy

Partner von Dani Albrecht für die Gebäudetechnologie ist die BKW Gruppe. «Man verliert rasch den Überblick, wenn man eine Fotovoltaikanlage, einen Wechselrichter und so weiter möchte. Home Energy von BKW hat genau, was ich wollte: Eine Ansprechperson, und diese organisiert alles.» Nun liefert die Fotovoltaikanlage Strom, die Wärmepumpe Heizenergie. Ca. 70 Prozent der Energie wird selber produziert.

www.bkw.ch/home-energy