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Um den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien (EE) bewältigen zu können, müssen die Stromleitungen Europas ausgebaut und modernisiert werden. Dieser Blog beleuchtet die Projekte, welche derzeit laut dem 10-Jahresplan des europäischen Netzwerkdachverbands Entso-E geplant sind.

Europaweiter Ausbau

Im Chart haben wir die Projekte für den grenzüberschreitenden Leitungsausbau für die Jahre 2017-2021 in Europa laut Entso-E dargestellt. Unsere Grafik trifft Annahmen zum Zubau und zum Timing der einzelnen Projekte, denn trotz seiner 76 Seiten finden sich im 10-Jahresplan nicht immer genaue Angaben zur Realisierung eines Projekts. Daher haben wir uns als Team Analyse Handel der BKW auf Erfahrungswerte gestützt, was den Bau und die Inbetriebnahme solcher Grossprojekte angeht.

Was sieht man?

Der Grossteil des Zu- und Ausbaus ist für 2019 und 2020 geplant. Im Jahr 2018 sollen folgende Projekte in Betrieb genommen werden: Deutschland-Dänemark, Deutschland-Niederlande, Frankreich-UK, Spanien-Portugal, Schweiz-Italien und Italien-Österreich. Die Projekte für Realisierung in 2018 allerdings sind von der geplanten Leistung meist niedriger als jene, welche für die Jahre 2019 und 2020 anvisiert sind. Im Jahr 2019 geht der 10-Jahresplan von neuen Verbindungen zwischen UK-Skandinavien, UK-Belgien, Deutschland-Belgien, Niederlande-Dänemark, Spanien-Portugal und Frankreich-Italien aus. In 2020 sollen Leitungen zwischen Frankreich-Belgien, Frankreich-Schweiz, Frankreich-UK, Frankreich-Spanien sowie Deutschland-Dänemark und Dänemark-UK und Deutschland-Skandinavien in Betrieb genommen werden. Der Fokus also liegt auf dem Ausbau von Grenzleitungen von Frankreich und von Deutschland.

Auswirkungen auf die Preise

Mit unserem Strompreisprognosemodell können wir die Auswirkungen des Netzausbaus auf die Strompreise abschätzen. Für die vier Fokusmärkte der BKW – Schweiz, Deutschland, Frankreich, und Italien (hier Zone Nord) – ergibt sich für das Netzausbau-Szenario im Vergleich zu einem Szenario ohne jeglichen Netzausbau (gewissermassen ein Einfrieren des Status Quo) für das Cal20 Base ein Plus für Deutschland, Frankreich und die Schweiz, während die italienischen Preise mit dem Netzausbau fallen sollten. Die Preisdifferenzen für das Cal20 sind aus der Tabelle ersichtlich. Die diametrale Preiserwartung für Italien versus den anderen drei Ländern lässt sich damit erklären, dass für Deutschland, Frankreich und die Schweiz über die nächsten Jahre die Netzkapazität zu Ländern mit höheren Preisen ausgebaut wird – wie etwa nach Grossbritannien, Spanien und Italien.

Allerdings sind die Preisdifferenzen für die Jahresbänder mit Augenmass zu lesen, da Unsicherheiten bestehen, wann die Projekte umgesetzt werden. Dies hängt von politischen und finanziellen Faktoren ab. Ausserdem beruhen die Preisdifferenzen auf zwei Szenarien, welche nicht die Deltas zu den aktuellen Marktpreisen darstellen. Die grosse Frage, die sich nämlich immer stellt, lautet: wieviel von diesen Netzausbauszenarien ist bereits in den Marktpreisen berücksichtigt?

Ausbau Deutschland-Österreich

Aus der Grafik ist ein Leitungsausbau zwischen Deutschland und Österreich von 2.9GW in beide Richtungen für das Jahr 2021 ersichtlich. Sollte das Projekt realisiert werden, so könnte die derzeit diskutierte Trennung der Strompreiszone Deutschland-Österreich nur von kurzer Dauer sein. Schliesslich würden im Falle einer solchen Erweiterung dann 7.8GW an Grenzkapazität zur Verfügung stehen – dies liegt im Bereich der maximalen Exportallokationen, die man im letzten Jahr beobachten konnte. Tatsächlich wäre es möglich mit einer solchen Kapazität rund 99% der bisherigen Grenzflüsse zu bewältigen, so dass eine erneute Kopplung der Märkte logisch erscheint. Eventuell ist die Zonentrennung nur eine vorübergehende Trennung.

Alexandra Berchtold

Alexandra Berchtold

Die Analystin Handel ist verantwortlich für die qualitative Analyse der wichtigsten Strom- und Brennstoffmärkte, die Berichte und den Fluss der Nachrichten in die relevanten Kanäle innerhalb der BKW.